erzgebirgstour 2021

Teil I

Wir begleiten die Erzgebirgstour schon ein paar Jahre und auch in diesem Jahr stellte die 3-Etappen-Fahrt den Saisonhöhepunkt für die LKK-Frau:innen und -Männer:ße dar.
Sofern das im erweiterten Hobbymilieu möglich war, hatte Coach David die Trainingsinhalte auf den 9.-11.7.2021 und die schwerste Erzgebirgstour aller Zeiten hin optimiert und auch am Material konnten noch ein paar Kleinigkeiten verbessert werden. Leider war im letzten Vorbereitungsrennen Erik mit gebrochener Mittelhand ausgeschieden und wurde das vierte grüne Trikot des besten Sprinters in Folge zur Mammutaufgabe. Wie immer war auch unser Begleittross dabei und spendete rund um das Rennen Trost, Regenschutz und teilweise auch Schatten. Mit dabei waren außerdem literweise Lavit-Öl für jeden Zweck und jede Menge BAAM für die beste Nährstoff-Versorgung. Das Starterfeld war tatsächlich zum Vorjahr nochmals stärker aufgestellt. Mit zahlreichen MTB-Leistungsfahrern sowie nationalen Nachwuchstalenten aus dem Straßenradsport war die Eingruppierung der Erzgebirgstour als Hobbyrennen nicht mehr so ganz zutreffend. Aber genug des Jammerns, erstmal wollten wir radeln!

Teil II
Tag 1 führte nach kurzer Anfahrt über 10 Runden Rund den Schnepfenberg, was dazu führen sollte, dass in Ermangelung der Start-Ziel-Zeitnahme auf dem Rundkurs, das Rundenzählen mittels komplizierter mathematischer Formeln erfolgen musste - konkret unter Verwendung der sogenannten Kaffeesatz-Formel.
Die Strecke der ersten Etappe hatte es wirklich in sich. Hochgerechnet auf eine 180-km-Etappe der Tour de France, wären wir bei etwa 4500 Höhenmetern gelandet, was man durchaus als hügelig bezeichnen könnte. Pünktlich zur Eröffnung des Zeitfensters zur Startaufstellung wurden wir dort vorstellig und konnten sogleich die beliebte Quizfrage „Was ist nass und hat 280 Beine?“ beantworten. Richtig - Die Gruppe von 140 Startern vor uns, die dort bereits im Regen auf den Beginn des Rennens warteten.
Ein besonderes Schmankerl war dann auch noch die Einbindung des Führungsfahrzeuges als Zusatzhindernis mitten im Feld mit anschließender Wieder-Überholung der über 200 Starter auf den angenehm schmalen Straßen. Ein bisschen Nervenkitzel muss auch mal sein und Ausbrüche von Agoraphobie sind uns auch im Nachhinein nicht berichtet worden. Prima!
Jedenfalls kamen wir mit der Mischung aus fehlendem Leistungsüberschuss und verkorkstem Start nicht in die Bredouille, die Last der Führungsgruppe tragen zu müssen. Am besten kam noch Philipp ins Rennen und Ringo konnte teilweise mit Teamunterstützung wieder etwas weiter nach vorne schwimmen. Die Strecke war aber ansonsten so hart, dass mannschaftstaktisch nicht wahnsinnig viel herbeigezaubert werden konnte. An den Rampen musste man im Wesentlichen allein vor sich hin krepieren. Mit Platz 16 für Ringo und 19 für Philipp nahm der Tag noch ein halbwegs versöhnliches Ende, der Rest von uns kam zumindest unversehrt ins Ziel, wobei Nadin mit der Zersägung ihrer Kurbelspindel durch den Schaltzug den Darwin-Award für die skurrilste Panne der ganzen Tour einheimste.
Immer noch guten Mutes, wenn auch nicht hypereuphorisch, endete Tag 1 in heimeliger Team-Runde beim Trocknen der Schuhe im Hotelzimmer.

Teil III
Tag 2 der Erzgebirgstour war vom Schwierigkeitsgrad etwa auf dem Niveau des Vortages, nur halt nochmal ne Ecke länger. Die Vorbelastung vom Vorabend dürften die meisten Starter wohl noch schmerzhaft in den Gummibein’chen gespürt haben, aber das war ja auch Sinn der Übung.
Die Kraft des Beines war weiterhin die härteste Währung.
Erneut gab es erstmal eine Anfahrt auf einen Rundkurs, der dann aber nur dreimal zu befahren war, um am Ende fast die 90 km voll zu machen. Die ersten 23 km ging es hierbei mehr hoch als runter und die Gruppen teilten sich hier bereits vorentscheidend in die Leistungsklassen auf.
Wo es hoch geht, muss es auch mal wieder runter gehen. Die Freigabe der Strecke für so ein Riesenfeld stellte sich dann mal wieder als - sagen wir mal - sportliche Entscheidung heraus. Die Weisheit, dass man sein Risiko ja selbst wählen kann, wird leider auch durch Wiederholung nicht wirklich wahr (Augen schließen und mit dem Fuß dreimal aufstampfen hilft auch nicht).
In einer Abfahrt bei Tempo 85 wurde die Straße für ein paar Fahrer dann leider zu schmal und so musste unser Martin die oben genannte Theorie überprüfen.
Ersthelfer waren Mitfahrer Niklas und unser Trainer-Team selbst, die dann zum Glück recht bald an den sehr professionell agierenden Rettungsdienst übergeben konnten. Medizinische Einzelheiten wollen wir hier gar nicht breittreten, aber bei mehreren Knochenbrüchen konnte der Zustand im Krankenhaus zum Glück schnell stabilisiert werden und Martin hat Grund zur Hoffnung, dass die Sache ohne schwere Spätfolgen abheilen kann. Die Frage, ob und wann er wieder Rennrad fahren kann, stellt sich aktuell überhaupt nicht.
Sportliche Resultate waren somit absolute Nebensache, wobei nur kurz erwähnt sei, dass sich alle LKK’ler wacker durch die 2200 Höhenmeter kämpften. Ringo und Philipp landeten mit den Plätzen 17 und 22 weit vorne im immer noch saustarken Peloton. Die offene Rechnung mit der Strecke um das Markersbacher Oberbecken aus dem letzten Jahr hat Anja übrigens beglichen.
Wie es am nächsten Tag weiter gehen sollte, wollten wir von den weiteren Nachrichten aus dem Krankenhaus abhängig machen.

Teil IV
Tag 3 war auf dem Sachsenring von den Höhenmetern zwar erneut deftig, aber insgesamt handelte es sich klar um die am flüssigsten zu fahrende Etappe - damit übrigens genau das richtige für uns Autobahnbrückenspezialisten. Hier konnte man sich tatsächlich auch mal im Peloton verstecken und mitrollen.
Sinnvollerweise wurde das Feld entsprechend der Vorleistungen geteilt und alles was im Gesamtklassement nicht Top100 war, durfte ab zum Frühsport. Ohne Kumpel Martin war Niklas gemeinsam mit Maxials einer der frühen Vögel unterwegs und hatte sichtlich Spaß am beim Tiefflug durch das Omega. Bereits auf der letzten Rille zum Start war Anja gerobbt, die in ganz und gar unpogarcariöser Weise den Anstrengungen der letzten Tage amtlich Tribut zollen musste. Nadin durfte mit dem Coach-Rad ihre vielen einsamen Runden drehen.
Im Rennen der „Profis“ entschied sich Sascha recht bald für eine Soloflucht - aber leider nach hinten, denn durch einen Kettenklemmer verlor er den Anschluss.
Auch im Hauptfeld verflog die Freude über die morgendliche längere Erholung durch den späteren Start dann aber, als der Himmel seine Pforten öffnete. Nach wenigen Runden Wasserschlacht hatte Robert genug und beendet seinen persönlichen Kampf um die goldene Ananas. So völlig spurlos waren die Erinnerungen an den Sturz von Martin am Vortag an ihm nicht vorbei gegangen.
Dass die Strecke tatsächlich etwas Grip verloren hatte (oh Wunder), merkte Ringo kurz danach, denn er musste ein kurzes Gravel-Intervall einfügen - Abflug ins Kiesbett. Immerhin konnte er sich dadurch noch der „Fluchtgruppe“ von Sascha anschließen. Die beiden kamen tatsächlich dem Feld auch langsam wieder näher, der Keks war ergebnistechnisch aber gegessen.
Vorne blieben also nur noch Steven und Philipp bei der Musik und folgten mit dem Hauptfeld einem Solisten (also ausnahmsweise so einer, der vor dem Feld fuhr). Letzterer kam nach toller Leistung auch verdient knapp als Sieger ins Ziel. Dahinter gab es dann einen Sprint vom Rest des Hauptfeldes, den unser Philipp gewann und seine ohnehin schon starker Tourleistung mit dem Besuch des Podiums krönte.